Buchtipp | "Toni Sailer Sonntagskind"
Sehr geehrte Besucherin, sehr geehrter Besucher, ich darf die Gelegenheit wahrnehmen und euch das Buch "Toni Sailer Sonntagskind" aufgezeichnet von Dr. Sigi Bergmann vorstellen.
Dieses Buch zeichnet das Leben eines ganz außergewöhnlichen Sportlers und Menschen auf. Toni Sailer war der erste alpine Skirennläufer, der bei den Olympischen Spielen im Dolomitenstädtchen Cortina d´Ampezzo im Jahre 1956 alle Bewerbe gewann. Dreimal Gold, im Riesenslalom, Slalom und Abfahrt. Erstmals wurden die Winterspiele live im Fernsehen gesendet und 23 Stationen übertrugen die Wettkämpfe. Rekord war auch die Teilnehmerzahl mit 947 Sportlerinnen und Sportler aus 32 Ländern. Zum ersten Mal nahmen die Sowjetunion und eine gesamtdeutsche Mannschaft an den Winterspielen teil.
Toni Sailers sportlicher Werdegang verlief parallel zum Wiederaufbau Österreichs nach dem Zweiten Weltkrieg. So bescherten Sailers Goldmedaillen den Menschen in Österreich steigende Selbstsicherheit, Nationalstolz und einen jungen Helden, der zwei Jahre später bei den Weltmeisterschaften von Bad Gastein mit drei weiteren Goldmedaillen zum erfolgreichsten Skirennläufer der Geschichte avancierte. Im letzten Skirennen seines Lebens gewann Toni vor 60.000 begeisterten Zuschauern den Abfahrtslauf vom Graukogel in Bad Gastein und eroberte damit nicht nur in dieser Disziplin die Goldmedaille, sondern auch die Kombination. Nie zuvor war ein Land stolzer auf einen Sportler.
Mit 22 Jahren wurde Toni ein viel umjubelter Film- und Theaterschauspieler, dem Millionen Menschen - vor allem in Japan - eine ganz besondere Wertschätzung zuteil wurde. Insgesamt hat er 23 Spielfilme gedreht und Millionen von japanischen Frauen schwärmten von "Kuroi inozuma", dem "schwarzen Blitz".
Ich bin dankbar dafür, dass ich Toni Sailer als Mensch und Sportler kennen lernen und mit ihm 12 Mal nach Japan reisen durfte, um Promotiontermine mit ihm in den Skigebieten Yatsugatake Sailer Valley, Appi, Naeba, Nagano und Furano wahrzunehmen.
Überrascht war ich beim Lesen des Buches, als ich im Kapitel "Tenno, Toni und die Liebe der Japaner" plötzlich auf meinen Namen stieß und Toni von meinen Einreiseproblemen am 19. März 1987 wegen meines abgelaufenen Passes berichtete. Aufgrund Toni Sailers Bekanntheit und Überredungskunst durfte ich temporär nach Japan einreisen. Besser als dieses Beispiel mit japanischen Zöllnern, die für ihre Akribie gefürchtet sind und die mich eigentlich gleich nach der Ankunft in Tokio wieder ins Flugzeug nach Europa oder Korea komplimentieren wollten, könnte der Status Toni Sailers in Japan nicht illustriert werden.
Toni Sailer verstarb am 24. August 2009 im 74. Lebensjahr nach einer mehrjährigen Krebserkrankung. Ich kann mich den ergreifenden Schlussworten seines Bruders Rudi bei den Begräbnisfeierlichkeiten nur anschließen. Rudi Sailer hat gesagt: "Toni, du gehst mir schon jetzt ab! Du warst für mich der Größte, Beste und Stärkste bis zum bitteren Ende."
Mit herzlichen Grüßen
euer Hans Miller
